Beethoven trifft Mahmoud Darwish

SALAM, Herr van Beethoven. Als ich erfuhr, dass unsere zwei Städte Bonn und Ramallah eine Partnerschaft eingehen würden, hab ich natürlich gehofft, Ihnen als dem gefeierten Bürger von Bonn zu begegnen. Auch in Palästina, wo ich herkomme, verehrt man Sie als ganz großen Komponisten.

GRÜSS‘ SIE auch, Herr Darwish. Darf ich als älterer Mensch Sie einfach Mahmoud nennen? Wie schön, Sie hier zu treffen. Sie haben ja, ähnlich wie ich, schon ein reichlich kompliziertes, ja traumatisierendes Leben hinter sich, mit vielen unterschiedlichen Lebensstationen. Auch ich mußte ja meine Wohnorte oft wechseln, allzu oft.
Mahmoud, ich kenne viele Ihrer Gedichte und Prosawerke. Und Sie alle bringen – ja, auch in Momenten tiefer Traurigkeit – eine ungebrochene Lebensbejahung zum Ausdruck. Sie suchen neue Wege für eine humanere, eine gerechtere Welt. Sehen Sie, und da sind Sie mir sehr nah.

Welche Hoffnungen hatte ich in Napoleon gesetzt, hab eine Sinfonie zu seinen Ehren geschrieben, nix da, er hat mich bitter enttäuscht.
Und dann war ich ja im Exil wie Sie auch:
Mein Exil als Komponist war meine bodenlose Schwerhörigkeit, die mich in totale Einsamkeit führte. Mir ist gelungen, meine Ertaubung durch die Stärkung meiner inneren Kräfte zu überwinden. Mein Exil wurde mir Teil meiner Identität. Und meine 9. Sinfonie, die ich in totaler Taubheit geschrieben habe, ist eine Hymne auf die Liebe und Harmonie unter den Menschen. Ihre Werke, Mahmoud, sind von diesem selben Geist getragen, der uns verbindet. Ist es nicht so?

JA GEWISS, lieber Herr van Beethoven. Auch mir wurde mein Exil zur zweiten Natur; es begann mit der Vertreibung meiner Familie vom eigenen Land. Lange Jahre lehnte ich mich heftig gegen die schmerzhafte, demütigende Unterdrückung meines Volkes auf. Ich brachte meine Wut, meine Verzweiflung in politischen Schriften und Gedichten zum Ausdruck. Mein Exil schenkte mir eine tiefe Sicht auf das menschliche Miteinander. Bis heute ist wesentlicher Inhalt meiner Poesie das Ende der Unterdrückung und das Aufblühen von Gerechtigkeit und Humanität.

MAHMOUD, helfen Sie bitte meiner Erinnerung – Ihr wunderschönes und so nachdenkliches Gedicht
„In Jerusalem“, – zitieren Sie doch bitte mal!

„… IN JERUSALEM, and I mean within the ancient walls,
I walk from one epoch to another without a memory
to guide me. The prophets over there are sharing
the history of the holy . . ascending to heaven
and returning less discouraged and melancholy, because love
and peace are holy and are coming to town . . „

JA GENAU, dieses Gedicht sollte ich wirklich bei Gelegenheit vertonen, Mahmoud!

MICH FREUT sehr, dass wir uns nun häufiger begegnen werden.

 

Eine Begegnung zwischen Ludwig van Beethoven und Mahmoud Darwish. Von Marlene Stripeke. 2022

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