Ramallah

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Ramallah ist eine palästinensische Stadt im Westjordanland und liegt etwa 15 km nördlich von Jerusalem. Sie ist die vorübergehende Verwaltungshauptstadt der Palästinensischen Autonomiebehörde sowie das Zentrum des Distrikts Ramallah und Al-Bireh. Die Stadt Ramallah beherbergt neben den meisten Ministerien und Büros der Palästinensischen Autonomiebehörde, dem Hauptquartier der Polizei und der Sicherheit sowie dem Gebäude des Legislativrates auch den Verwaltungssitz des Distrikts. Zur Stadt selbst zählen 40.000 Einwohner*innen, während die Bevölkerung des Distrikts etwa 330.000 Menschen umfasst. Die kontinuierlichen kulturellen Aktivitäten wie kulturelle Seminare, Festivals und Ausstellungen prägen das Stadtbild und machen Ramallah zur Kulturhauptstadt Palästinas.

Geschichte

Die Geschichte von Ramallah reicht bis ins Mittelalter zurück, als ihr der Name gegeben wurde. Die überwiegende Meinung über den Ursprung des Namens Ramallah ist, dass das Wort Ram ‚das erhöhte Gebiet’ bedeutet. Es ist ein kanaanitisches Wort, das an verschiedenen Orten in Palästina verbreitet ist. Die Araber*innen fügten das Wort ‚Gottes‘ hinzu, so entstand der Name Ramallah.

Die Stadt Ramallah wurde vom jordanischen Scheich eines der christlichen Karak-Clans (eine größere Familiengruppe) namens Sheikh Rashid Al-Haddadin gegründet, der sich aufgrund von Clan-Streitigkeiten im 16. Jahrhundert entschied, seine Heimat zu verlassen. Der Geschichte zufolge kaufte Sheikh Rashid die Ruinen Ramallahs von den alteingesessenen Familien von Al-Bireh, ohne zu wissen, dass er eine Stadt gründete, die eine wichtige Rolle in der Geschichte der Palästinenser*innen spielen würde. Nachdem er vom Tod seines Rivalen erfahren hatte, kehrte Rashid Haddadin nach Jordanien zurück und ließ seine fünf Söhne Yousef, Awwad, Issa, Khalid und Azeez zurück, deren Familien zu den Gründerfamilien und -clans von Ramallah werden sollten. Die Stadt wuchs weiter und im Jahr 1562 wurden bei einer osmanischen Volkszählung 63 christliche Familien, 8 christliche Einzelpersonen und 8 muslimische Familien gezählt.

Die Statuen der fünf Löwen auf dem Al-Manara-Platz im Zentrum von Ramallah stellen die Geschichte der Stadt dar. Der Einwanderer aus Karak baute diese fünf Löwen als Symbol für seine Kinder und zeichnete damit ein Bild von der Herkunft der Familien. In den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde der Platz durch die Besatzungsbehörden zerstört, aber die Palästinensische Autonomiebehörde hat ihn 1999 wieder aufgebaut.

Als die Bevölkerung wuchs, zog die Stadt Missionar*innen an. 1807 wurde die erste griechisch-orthodoxe Kirche gebaut, 1869 gründeten Quäker*innen die Friends Girls School.

Im Jahr 1902 wurde Ramallah von der osmanischen Regierung in ein Gouvernement umgewandelt, das dreißig umliegende Städte umfasste. Ahmad Murad, ein prominenter Beamter aus Jerusalem, wurde zum ersten Gouverneur (Verwalter) ernannt. 1908 wurde Ramallah als Stadt anerkannt, und Elias Odeh wurde zum ersten Bürgermeister. Dem Stadtrat gehörte ein Vertreter jedes Clans an.

In den Jahren 1917 bis 1948 unterstand Ramallah wie die übrigen palästinensischen Städte dem britischen Mandat.

Nach der Nakba im Jahr 1948 annektierte Jordanien das Westjordanland und die Stadt wurde zum Zentrum des Bezirks Ramallah des Gouvernements Jerusalem. Trotz der Bewegungsfreiheit wurden viele Palästinenser*innen jedoch inhaftiert, weil sie Mitglieder von Parteien waren, die die jordanische Regierung als illegal eingestuft hatte, darunter die Palästinensische Kommunistische Partei und andere sozialistische und unabhängigkeitsfördernde Gruppen. Das jordanische Gesetz schränkte die Kreativität und Freiheit ein, die damals von vielen Palästinenser*innen gefordert wurden. Bis 1953 hatte sich Ramallahs Bevölkerung verdoppelt, aber die Wirtschaft und Infrastruktur waren nicht dafür gerüstet, den Zustrom armer Menschen aus den Dörfern zu bewältigen. Somit wanderten viele Einwohner*innen Ramallahs aus, hauptsächlich in die Vereinigten Staaten.

Die Stadt fiel 1967 in die Hände Israels und wurde unter der 27 Jahre andauernden israelischen Besatzung stark vernachlässigt. Die Besatzungsbehörden konfiszierten Land des Stadt- und Distriktgebiets Ramallah um zahlreiche Siedlungen zu errichten. Bis Ende 1987 erreichte ihre Zahl etwa 30 Siedlungen und ihre Dörfer.

Im Dezember 1995 gab die israelische Armee gemäß dem Oslo-Abkommen die Blockade auf und zog sich in die Außenbezirke der Stadt zurück. Die neu gegründete Palästinensische Autonomiebehörde übernahm die Zivil- und Sicherheitsverantwortung für die Stadt, die gemäß den Vereinbarungen als „Gebiet A“ bezeichnet wurde. Ramallah wurde das vorübergehende Hauptquartier der Palästinensischen Autonomiebehörde, da Israel sich weigerte, den Sitz der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ost-Jerusalem zu akzeptieren.

Die moderne Stadt Ramallah

Die Stadt ist heute ein kulturelles, politisches und wirtschaftliches Zentrum in Palästina. Sie beherbergt die meisten Institutionen der Palästinensischen Autonomiebehörde sowie die meisten Vertretungsbüros und Hauptsitze internationaler Organisationen.

Ramallah hat in den letzten zehn Jahren eine bemerkenswerte wirtschaftliche Entwicklung erlebt, und dieser relative Wohlstand hat zusammen mit der liberalen Atmosphäre der Stadt zahlreiche Palästinenser*innen auf der Suche nach einem besseren Leben und besseren Möglichkeiten angezogen. Infolgedessen hat sich die Einwohnerzahl in den letzten 10 Jahren verdoppelt, so dass heute mehr als 40.000 Menschen in Ramallah leben. In der Stadt finden auch viele Festivals und kulturelle Veranstaltungen statt, und sie bietet ein pulsierendes Nachtleben.

Eine der angesehensten Universitäten in Palästina und der arabischen Welt befindet sich im Distrikt Ramallah, die Birzeit University. Die Geschichte der Universität Birzeit reicht bis ins Jahr 1924 zurück: Gegründet als Grundschule, sollte sie Mädchen aus Birzeit und den umliegenden Dörfern eine elementare Schulbildung ermöglichen, in einer Zeit als es in diesen Gebieten keine Schulen gab. Die Schule entwickelte sich 1942 zu einem College und wurde im Jahr 1972 zur „Birzeit University“ umgewandelt.

Neuer Bürgermeister von Ramallah seit April 2022

seit dem 7. April 2022 ist Issa Kassis der neue Bürgermeister von Ramallah. Salah Hania ist sein Stellvertreter. (Die vollständige Liste der Gemeinderatsvertreter kann ich Euch auch zusenden, wenn Ihr sie haben möchtet).

Die Fatah-Liste „Söhne der Stadt“ hat bei den Kommunalwahlen am 26. März 2022 neun der 15 Sitze im Stadtrat erhalten. Er war der Spitzenkandidat. Leider lag die Wahlbeteiligung bei den Kommunalwahlen in Ramallah nur bei 34% (2017 lag sie bei 39%).

↗ Issa Kassis auf facebook

28.01.2023 – Stadt Ramallah gründet ein Freundschaftsforum Ramallah-Bonn

In der Partnerstadt Bonns hat sich Ende Januar das Freundschaftsforum Ramallah Palästina – Bonn / Deutschland gegründet. Unter der Leitung von Prof. Kamal Shamshoum, ehemaliger Professor für Deutsch an der Birzeit Universität, sind zudem sechs weitere Mitglieder des neuen Vereins zusammengekommen: Nader Wahba, Samia Al-Wazir, Walid Nassar, Hadil Kamal, Jalal Khader, Sawsan Qaoud, Dima Yasser. Die Mitglieder des Forums sind in unterschiedlichen Vereinen, Wirtschaftsunternehmen sowie Kulturbereichen tätig, die mit deutschen und Bonner Partnern zusammen wirken wollen.
Das Forum hielt sein erstes Treffen im Ratssaal der Kommune Ramallah auf Einladung des Bürgermeisters Issa Qassis, dem Stadtdirektor, Ahmed Abu Laban und dem Beauftragten für internationale Beziehungen, Fouad Muaddi, sowie der Stadträtin, Hamsza Daila ab.

Der Bürgermeister betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung der Bildung dieses Forums und versicherte Interesse und Unterstützung des Gemeinderates für diese Initiative. „Wir sehen dies als eine echte Gelegenheit, Brücken der Zusammenarbeit zwischen den beiden Städten Bonn und Ramallah sowie den beiden Völkern auf institutioneller und gesellschaftlicher Ebene zu bauen. Dieser Schritt ist eine Umsetzung der Richtlinien der Stadt Ramallah, sich der Welt zu öffnen und wo immer möglich die palästinensische Stimme hörbar zu machen“, so Issa Qassis.
Qassis fügte hinzu: „Ramallah und Bonn haben viele gemeinsame Interessen und es gibt viele Möglichkeiten zur Zusammenarbeit in den Bereichen nachhaltige Entwicklung, Inklusion, Umwelt, Digitalisierung, Kultur und anderen Bereichen“. Er betonte, dass auch die Kommune Ramallah viel zu bieten und mit den Städten der Welt zu teilen habe.

Vorsitzender des Forums, Prof. Kamal Shamshoum, seinerseits gab einen Überblick über das Forum, seine Mitglieder sowie der Vereinbarung der Stadtverwaltungen von Ramallah und der Stadt Bonn aus dem Jahr 2016, was inzwischen erneuert worden ist. Das Forum sei die praktische Umsetzung der Absichtserklärung beider Kommunen mit dem Ziel, Erfahrungen auf institutioneller Ebene, Kulturschaffenden, Schulen und Universitäten in den beiden Städten auszutauschen.

Stadtdirektor Ahmed Abu Laban wies seinerseits darauf hin, dass die Stadt Ramallah Kooperations- und Städtepartnerschaften mit etwa 30 Städten aus verschiedenen Ländern der Welt unterhält. Ramallah nutzt diese Beziehungen, um lokale und nationale Interessen zu stärken und um die lokalen Organisationen mit denen aus den Partnerstädten zu vernetzen. Dadurch konnten in den vergangenen Jahren Erfolge in der Zusammenarbeit im Kultur- und Bildungsbereich sowie während der Feiertage erzielt werden. Die Teilnehmer*innen betonten, wie wichtig es ist, ein Forum zu bilden, das zur Verbreitung der Kultur der Zusammenarbeit im Bereich der sozialen Integration, zur Stärkung der Rolle der Frau, zur Betreuung von Kindern, Älteren und benachteiligten Gruppen sowie zu anderen Völkern aufzubauen.

Quelle: ↗ Facebook Seite der Stadt Ramallah

(Übersetzung: Dr. Bassel Makhouly / Ulrich Nitschke)